25.11.2015
Integrale Somatische Psychotherapie (ISP)
Gespräche mit Raja Selvam, PhD, über Integrale Somatische Psychotherapie (ISP) Somatic Perspectives

(Hinweis: Der vorliegende Text weicht stark vom Originalinterview ab. Er wurde im Sinne der Klarheit und des Informationsgehalts nachträglich von Raja Selvam überarbeitet.)

Serge Prengel: Ich unterhalte mich hier mit Dr. Raja Selvam. Guten Tag, Herr Selvam.

Raja Selvam: Guten Tag, Herr Prengel.

Serge Prengel: Herr Selvam, Sie haben also einen Therapieansatz entwickelt, den Sie ISP nennen. Möchten Sie uns hierzu zunächst einmal etwas erzählen?

Raja Selvam: Gerne. ISP steht für Integrale Somatische Psychotherapie. Ich werde kurz schildern, worum es sich handelt.

Ich unterrichte schon seit langem verschiedene körperorientierte Herangehensweisen an die psychologische Arbeit. Es geht mir darum, wie man diese effektiver gestalten kann, indem man den Körper und die Wahrnehmung des Körpers stärker einbezieht als im psychologischen Mainstream üblich. Durch meine Auseinandersetzung mit diesem Thema und die Erfahrungen, im Rahmen meiner Arbeit mit Klienten in vielen Ländern und als Dozent, der klinische Weiterbildungen anbietet, sind mir irgendwann ein paar Punkte klar geworden, die für mich ganz entscheidend sind.

Zum einen gibt es jede Menge an wissenschaftlichen Informationen zur physiologischen Seite der Emotionen sowie zum Selbstregulierungsprozess, nur hat sich dieses Wissen bislang nicht in der klinischen Praxis niedergeschlagen. Informationen, die sich nutzen lassen, um die Integration des Körpers in die psychologische Praxis welcher Art auch immer zu vereinfachen.

Zum anderen reicht es nicht, sich nur dem physischen Körper zuzuwenden (dem einzigen Körper, den die Wissenschaft als Ursprung unserer gesamten Erfahrungen anerkennt – dem Körper, den wir im Sarg zurücklassen oder der verbrannt wird, wenn wir sterben). Vielmehr ist es auch wichtig, den feinstofflichen Körper im Blick zu haben. Und dieser lässt sich mit wissenschaftlichen Methoden nicht messen. Oder zumindest nur mit enormem (Kosten)-Aufwand, wie etwa im Rahmen von Forschungsprojekten aus der Quanten- oder Teilchenphysik möglich.

Diesen Körper bezeichnet man im Osten als den feinstofflichen Körper. Er ist das Gegenstück zu dem Körper, der irgendwann im Sarg landet und den ich in diesem Interview den grobstofflichen oder physischen Körper nennen werde. Wie alle Objekte auf dieser Welt hat auch der grobstoffliche Körper eine Quantenebene. Der feinstoffliche Körper dagegen existiert nur auf der Quantenebene. Im Westen wird er auch oft der "Energiekörper" genannt. Dieser Begriff kann allerdings irreführend sein, da alle Körper, ob grob- oder feinstofflich, aus Energie bestehen. Sie unterscheiden sich nur in ihrer Frequenz.


Interview: Serge Prengel. Mitschrift: Cornelio. Deutsche Übersetzung: Silvia Autenrieth


Der grob- und der feinstoffliche Körper interagieren auf der Quantenebene. Ich habe mich gleichzeitig auch mit der östlichen Psychologie befasst und entdecke in der modernen Quantenphysik Parallelen zu Aspekten, von denen dort schon seit uralter Zeit die Rede ist.

Auch die westliche Kraniale Osteopathie arbeitet mit einem feinstofflichen Körper. In diesen Kreisen bezeichnet man ihn als den fluiden Körper. Über diesen sucht man die Regulierung im physischen Körper zu verbessern. Ein Unterschied zwischen den beiden Sichtweisen ist allerdings der, dass die östliche Psychologie behauptet, der feinstoffliche Körper würde den grobstofflichen überleben und sich reinkarnieren, während die Kraniale Osteopathie zu diesem Thema schweigt. Ich finde es effektiver, mit dem grob- und dem feinstofflichen Körper gleichzeitig zu arbeiten. Schließlich sind sie der Ursprung unserer gesamten Erfahrungswelt: Wahrnehmen, Denken, Fühlen, Erinnern, Handeln, Verbindung herstellen, in Beziehung treten etc. Bei näherer Betrachtung ist die Arbeit mit dem feinstofflichen Körper auch gar nicht so schwierig wie gemeinhin angenommen.

Aber wenn wir schon den individuellen feinstofflichen Körper einbeziehen, könnten wir auch gleich noch den umfassenderen, den kollektiven grob- und feinstofflichen Körper mit betrachten, der wir je nach Sichtweise entweder ebenfalls sind oder dem angehören. Und dann nehmen wir noch die Dimension des reinen Bewusstseins hinzu, den absoluten Körper oder Urgrund aller Körper, wie ihn die östliche Psychologie voraussetzt.

In der westlichen Psychologie gibt es etliche Ansätze, bei denen der grobstoffliche Körper in die psychologische Arbeit einbezogen wird. Ferner gibt es Richtungen, wo man den (individuellen) feinstofflichen Körper einbezieht, etwa in der Energiepsychologie, die sich auf die Existenz der Meridiane stützt. Einige transpersonale Schulen der Psychologie bringen einen kollektiven grob- und feinstofflichen Körper ins Spiel, der jeweils starke Auswirkungen auf unsere Psyche habe.

Daneben findet man Ansätze, die als weitere Instanz das Bewusstsein in die psychologische Arbeit einbinden. Dies ist bei fast allen Achtsamkeitsansätzen auf die eine oder andere Weise der Fall.
Meines Erachtens wäre es von daher am effektivsten, möglichst viele Körper einzubeziehen. Daneben gilt es simple Wege zu finden, um klinisch Tätigen unterschiedlichster Orientierung zu vermitteln, wie sie vorgehen können, um in ihrer Praxis eine stärkere Verkörperung der einzelnen Körper oder Dimensionen zu unterstützen, ohne etwas an der theoretischen Ausrichtung ändern müssen, an der sich ihre Arbeit mit Klienten orientiert und in der sie sich auskennen. Der Hauptfokus der Integralen Somatischen Psychotherapie oder ISP richtet sich darauf, einfache Möglichkeiten zu finden, wie der individuelle grobstoffliche Körper in psychologische Arbeit welcher Form auch immer integriert werden kann. Und zwar unter Nutzung der verfügbaren Erkenntnisse der neueren Forschung zur Physiologie der Emotionen, zur Selbstregulation und zur Integration des individuellen feinstofflichen Körpers und seiner Schichten unter verschiedenen klinischen Rahmenbedingungen. Zum Beispiel …

Lesen Sie das ganze 28 Seiten umfassende Interview mit Raja Selvam, PhD hier (PDF)

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